Egbert Katzner
Rechtsanwalt und Notar

Nigeria-Connection

Nigeria-Connection? Jeder hat davon wohl schon einmal gehört. Was aber geschieht, weiß man doch nicht so genau. Die Masche ist fast immer die gleiche. Es geht nur darum, das zu erkennen. Der Betrogene erhält einen Scheck und eine schöne Geschichte.

Da geht es z.B. um den ehemaligen Minister eines afrikanischen Landes, der in Ungnade gefallen ist und gerade noch sein letztes Geld auf eine Bank im Nachbarland bringen konnte und der jetzt deswegen verhaftet ist. Seine Getreuen oder Angehörigen wollen mit dem Geld den Gefängnisdirektor bestechen, damit der Mann für tot erklärt wird und frei kommt. Der Betrogene soll das Geld bitte auf seinem Konto gutschreiben lassen und dann auf ein Konto bei einer afrikanischen Bank oder sonst wohin in der Welt überweisen. Für seine Mühe erhält er einen Prozentsatz des Geldes, üblicherweise eine stattliche Summe.

Wer dann den Scheck bei seiner Bank einreicht, hat fast schon verloren. Als nächstes wird der Scheck seinem Konto gutgeschrieben mit dem Bankzusatz: "Eingang vorbehalten". Das ist ein beachtenswerter, wichtiger Hinweis.

Als nächstes erhält er die Info, dass der Staatspräsident die Hinrichtung des Ministers angeordnet hat. Das Geld werde deshalb dringend benötigt. Wer will dabei schon kleinlich sein und Schuld auf sich laden? Man überweist also das Geld. Den Warnhinweis: "Eingang vorbehalten" hat man inzwischen leider vergessen.

Nun kommt es auf die eigene Bank an. Ist man dort realistisch, wird man Ihnen sagen müssen, dass die Überweisung vor Gutschrift des Schecks nicht ausgeführt werden kann.

Wenn Sie dann dort die Geschichte von der Hinrichtung erzählen und auf eine "gute Seele" treffen, was der Himmel verhüten möge, wird die Überweisung zu lasten Ihres Kontos ausgeführt. Sobald das Geld in Afrika oder dem sonstigen Bestimmungsort eingetroffen ist, erhalten Sie die Nachricht, dass der Scheck leider nicht eingelöst werden kann. Meist existiert das angegebene Konto nicht oder der angebliche Kunde ist bei der Bank gar nicht bekannt. Wie es weitergeht, dürfen Sie sich selbst ausmalen.

Die "gute Seele" von der Bank schickt Ihnen einen Brief mit dem Sie aufgefordert werden, den Saldo auf Ihrem Konto alsbald auszugleichen. Meist setzt man Ihnen eine großzügige Frist von 14 Tagen.

Anwälte sind in letzter Zeit ebenfalls in das Visier solcher Betrüger geraten. Hier fängt die ganze Sache anders an. Es wird zunächst angefragt, ob man rechtliche Unterstützung für ausländische Firmen übernehmen möchte. Wer nicht voll ausgelastet ist, wird dieses Angebot gerne aufgreifen. Und wer ist das in der Wirtschaftskrise schon. Als nächstes erhält man dubiose Unterlagen, mit denen sich eine Forderung gegen ein renommiertes inländisches Unternehmen leicht begründen lässt. Meist wird man dann gebeten, sich zunächst im Hintergrund bereit zu halten, der Gläubiger, typischerweise ein Unternehmen aus dem asiatischen Bereich möchte zunächst noch mit dem Schuldner verhandeln.

Dann die Mitteilung: Der Schuldner zahlt direkt an den Anwalt. Dieser erhält dann den Scheck über eine größere Summe und soll nach Eingang des Schecks das Geld telegrafisch an eine ausländische Bank überweisen. Im übrigen soll die Geschichte dann laufen, wie oben angegeben.

Was kann man tun?

Vielleicht ist es eine gute Idee, trotz gegenteiliger Anweisung mit dem angeblichen Schuldner Kontakt aufzunehmen. Wenn der eine Rate zahlen will, besteht für denjenigen kein Anlass, über die Sache Stillschweigen zu bewahren.

Ich erhielt selbst einen solchen Scheck. Bei Nachfrage ergab sich, dass zu dem angeblichen Gläubiger keine Geschäftsbeziehung bestehe und dass auch ein solcher Scheck nie ausgestellt worden war. Auch bestehe zu der bezogenen Bank in den USA keine Beziehung.

Ich sei auch nicht der erste Anwalt, der wegen dieser Sache nachfrage. Es existiere bereits ein Ermittlungsverfahren bei der Polizei. Telefonnummer und Aktenzeichen wurde mir bekannt gegeben. Bei Nachfrage ergab sich, dass der zuständige Kommissar tatsächlich bereits ermittelte. Es habe Kollegen gegeben, die den Scheck eingereicht hätten. Die Bankverbindung existiere nicht. Der Scheck müsse auf Fingerspuren untersucht werden. Ich möchte ihn bitte dafür zur Verfügung stellen, ebenso wie den Schriftverkehr per Mail. Dem Auftraggeber habe ich daraufhin mitgeteilt, dass der Scheck nicht eingelöst werden könne. Er solle bitte prüfen, ob seine Lieferung tatsächlich an den angeblichen Schuldner erfolgt sei, da dieser das bestreite. Erstaunlicherweise habe ich danach von dem nichts mehr gehört.